Freiheit für die Nebenhöhlen

Die Nase ist über Monate verstopft, der Geruchssinn funktioniert kaum noch: Eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen kann die Betroffenen stark belasten. Ein neuer Eingriff soll die Nase schonend wieder durchlüften. Doch er eignet sich nicht für jeden.

Eingriff bei chronischer Sinusitis

Fast jeder kennt die Sinusitis, vor allem aus den kalten Wintermonaten. Es beginnt mit einem banalen Schnupfen, doch dann ist die Nase komplett verstopft. Im Kopf scheint es zu pochen, rechts und links von der Nase schmerzt es, wenn man dagegen drückt. Darunter liegen die Nasennebenhöhlen, mit Schleimhaut ausgekleidete Hohlräume, die über schmale Kanäle mit der Nase verbunden sind.

Verschliessen sich diese Verbindungen, etwa weil die Schleimhäute angeschwollen sind, kann in den Nebenhöhlen gebildetes Sekret nicht mehr richtig abfliessen. Die Flüssigkeit staut sich an und bietet Viren, Bakterien und anderen Krankheitserregern einen perfekten Nährboden. Die Folge: Die Nasennebenhöhlen entzünden sich. Bleiben die Beschwerden länger als zwölf Wochen bestehen, gilt die Entzündung als chronisch.

Die Symptome sind bei der chronischen Form zwar häufig viel schwächer als bei der akuten, zum Teil kommt es jedoch zu Schüben mit stärkeren Schmerzen. Weitere Probleme wie eine dauerhaft verstopfte Nase und ein gedämpfter Geruchsinn können die Lebensqualität zusätzlich einschränken. Versagen Medikamente, stehen die Betroffenen häufig vor zwei Fragen: Sollen sie ihre Nebenhöhlen operieren lassen? Und wenn ja, wie?

Erkrankte Nasennebenhöhlen: Geschwollene Schleimhäute, verstopfte Durchgänge.

Mit einem Ballon die Nase lüften

Marc Müller nutzt dafür einen relativ neuen Eingriff, bei dem sie die verschlossenen Verbindungsgänge mit einem Ballon aufdehnen, die sogenannte Ballondilatation oder Sinuplastie. Der mit einem Katheter eingebrachte Ballon soll die knöchernen Strukturen so verschieben, dass die Nebenhöhlen dauerhaft wieder belüftet werden können. Die chronisch entzündete Schleimhaut der Nasennebenhöhlen schwillt ab und kann sich regenerieren.

«Wenn die Schleimhautschwellung mehr oder weniger permanent besteht, werden die Nasennebenhöhlen nicht mehr richtig belüftet. In diesem Fall müssen die Verbindungsgänge zwischen Nasennebenhöhlen und Nase wieder geöffnet werden.»

med. Marc Müller

Das Prinzip der Ballon-Sinuplastik™ besteht in der Erweiterung der engen Zugänge zu Kiefer-, Stirn- oder Keilbeinhöhle durch Aufdehnung mit einem Ballonkatheter. Mit Hilfe eines modernen Navigationssystems wird ein dünner Ballonkatheter in die richtige Position gebracht. Das Navigationsgerät weist den richtigen Weg in die Stirn- oder Kieferhöhle: Das neue System ermöglicht ohne intraoperatives Röntgen eine Kontrolle der richtigen Positionierung des Ballons durch das Gewebe bzw. den Knochen. Bisher wurden bereits in den USA über 40’000 Patienten mit dieser Technik behandelt, Komplikationen sind nicht bekannt.

Durch Auffüllen des Ballons mit einer Hochdruckspritze auf ca. 5-7 mm Durchmesser wird dann der verengte Drainage-Weg gewebeschonend erweitert. Die Engstelle wird dadurch geöffnet, Sekret kann ungehindert abfliessen und sorgt für sofortige Druckentlastung. Im Gegensatz zur operativen Vorgehensweise mit Nasenzangen werden Schleimhaut oder Knochen nicht entfernt. Narben, Blutungen oder Schmerzen gibt es in der Regel nicht. Auf die unangenehme Nasentamponade kann verzichtet werden, weitere Komplikationen wie Verlust des Geruchssinns oder neue Engstellen durch Narbenbildung sind bisher nicht bekannt. Der Patient ist in der Regel schon am Tag nach dem Eingriff weitestgehend uneingeschränkt belastbar.

Die Ballon-Sinuplastik™, schafft bei chronischer Sinusitis – weit über 60’000 Patienten trifft es jährlich neu – mit einem kleinen Ballon wieder Belüftung und Druckentlastung in den Nebenhöhlen; oft ohne Klinikaufenthalt und weitergehende Unannehmlichkeiten und Risiken für den Patienten, wie bei der bisherigen operativen Vorgehensweise mit Nasenzangen und ausgedehnter Knochen- und Schleimhautentfernung.

Mit diesem neuen Verfahren zur Nasennebenhöhlen-Chirurgie werden Patienten mit chronischer Sinusitis schnell, ambulant oder stationär und nahezu unblutig, weitgehend schmerz- und risikofrei, dauerhafte Heilung verschafft werden.

Bei chronischer Sinusitis haben die Betroffenen häufig dauerhaft Probleme durch die Nase zu atmen. Vor allem, wenn sie ihren Kopf vorbeugen, können Schmerzen und ein Druckgefühl im Gesicht hinzukommen. Auch das Schmecken und Riechen kann nur eingeschränkt funktionieren. Da die Verbindungen zwischen Nase und Nebenhöhlen verschlossen sind, fühlt sich die Nase bei den meisten dauerhaft verstopft an und kann laufen.

«Die Sinuplastie eignet sich nur für einfache Fälle einer chronischen Sinusitis, wenn zum Beispiel die Öffnung zur Nase hin zu klein ist, aber keine Nasenpolypen oder anatomische Fehlbildungen vorliegen», erklärt Marc Müller. Bei stark ausgeprägten Nasenpolypen (gutartigen Wucherungen der Schleimhaut) oder komplizierteren anatomischen Verhältnissen sei sie dagegen völlig ungeeignet.

Mit Kameras die Nasennebenhöhlen operieren

Die Alternative ist ein endoskopischer Eingriff, bei dem der Arzt über die Nasenlöcher operieren und bei dem zum Beispiel eine schiefe Nasenscheidewand begradigt werden kann. «Wir verwenden Endoskope, die mit Kameras bestückt sind, so dass die OP unter Sicht erfolgen kann», erläutert Müller. Diese endoskopische Vorgehensweise sei viel schonender als die ältere OP-Variante, bei der der Eingriff unter dem Mikroskop erfolgt. Die Patienten bräuchten gar keine oder höchstens noch für einen Tag eine Tamponade in der Nase, um die Blutung zu stillen. Bei der Mikroskopie sei diese dagegen unverzichtbar.

«Zudem sind Risiken zum Beispiel einer Nachblutung bei der älteren Variante auch viel grösser», erklärt er. Abstände seien durchs Mikroskop nicht gut erkennbar, und man könne damit schlichtweg nicht wie beim Endoskop ums Eck schauen. Eine schlechte Sicht erschwere jedoch den Eingriff. «Für mich ist die ältere OP-Methode deshalb überholt», so das Fazit des Arztes.

Selbst vorbeugen

Nicht alle Ursachen einer chronischen Sinusitis lassen sich mit einer Operation beheben. Genetische Veranlagungen können dazu führen, dass sich die Entzündungsreaktion verselbständigt. Mitunter haben die Betroffenen zudem eine Pollen- und Hausstaubmilbenallergie, durch die die Schleimhaut in der Nase und in den Nasennebenhöhlen ständig angeschwollen ist. Eine mögliche Ursache der chronischen Nasennebenhöhlenentzündung kann auch eine Zahnwurzelentzündung im Oberkiefer sein, die in die Kieferhöhle durchbrechen kann.

Wer das Risiko für eine akute, nicht chronische Nasennebenhöhlenentzündung reduzieren möchte, kann aktiv etwas dafür tun. «Mit Sport, Sauna, Nahrungsergänzungsmitteln wie YPERA® und einer gesunden Ernährung kann man sein Immunsystem fit machen, so dass es schnell auf Erreger reagiert», empfiehlt Marc Müller. Normalerweise bestehe ein Gleichgewicht zwischen Erregern und Abwehr. Kleine Scharmützel zwischen beiden bekomme man gar nicht mit, sagt er.

Ist die Abwehr geschwächt, können sich die Erreger jedoch stark vermehren und überhandnehmen. Reagiert das Immunsystem zu spät, bekommt man einen Schnupfen. «Eine rinnende Nase ist ein klarer Hinweis auf eine verzögerte Abwehr», erläutert der Mediziner.

Zusammenfassung

  • Besonders bei Chronischer Sinusitis empfehlenswert
  • Ballon statt Skalpell, minimalinvasive Technik
  • Ambulante Behandlung unter Vollnarkose
  • Die Schleimhaut bleibt weitgehend intakt
  • Patient hat weniger Schmerzen
  • Fast 100-prozentige Erfolgsquote

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